Kapitel 5

Fachkräftebedarf und Bildungspolitik

5.1 Zusammenfassung:

Die Wirtschaftsstrategie Sachsen 2030 geht in dem Bereich Fachkräftebedarf und Bildungspolitik davon aus, dass:

  • Die kontinuierliche Deckung unseres Fachkräftebedarfs eine der dringlichsten, zugleich jedoch lösbaren wirtschaftspolitischen Aufgaben der nächsten zwei Jahrzehnte ist.
  • Die erwartete Verknappung von Fachkräften dazu führen wird, dass unsere Gesellschaft achtsamer mit ihren Begabungen umgehen wird, was auch zur erhöhten Chancengleichheit und verstärkten Integration auch sozial benachteiligter Menschen führen wird, zugleich aber auch eine Erhöhung des Verständnisses für konkrete wirtschaftliche Zusammenhänge bereits in der Schule erfordert.
  • Hervorragende Bildung mit wissenschaftlichem Verständnis, exzellentem Forschertum und stetige Ausrichtung auf Anwendung und Entwicklung unseres erarbeiteten Grundlagen- und Spezialwissens, und eine allgemein gelebte Willkommenskultur schaffen die Möglichkeit, auch überregional Fachkräfte für Sachsen zu gewinnen.

Dennoch hat Sachsen schon jetzt recht günstige Rahmenbedingungen, um dem drohenden Rückgang des Angebots an Fachkräften zu begegnen. Ein Alleinstellungsmerkmal Sachsens ist seine sehr gute Schul- und Universitätsausbildung sowie die hohe Dichte an Forschungsinstitutionen.

  • Für eine langfristige Deckung unseres Fachkräftebedarfs erforderlich ist, dass die Gehaltsstrukturen in Sachsen attraktiv sind, dies bedarf jedoch eine entsprechenden Erhöhung der Wertschöpfung, die jedoch nur durch laufende Modernisierung, Innovation und Qualifizierung erreicht werden kann.
  • Das Leitbild einer umfassenden Innovationskultur die Basis für lebenslanges Lernen schaffen wird und wir in einer fairen Leistungsgesellschaft leben.

5.2 Status Quo

Seit dem Jahr 2005 verzeichnet Sachsen eine positive Entwicklung im Bereich der Erwerbstätigkeit. Im Jahr 2013 erreichte Sachsen mit 1,987 Millionen Erwerbstätigen den höchsten Stand seit 1999. Die Arbeitslosigkeit erreichte zeitgleich den niedrigsten Wert seit 1991. Bei diesen Zahlen ist jedoch auch der fortschreitende Bevölkerungsrückgang zu berücksichtigen.

Bereits seit 1991 erlebt Sachsen einen Bevölkerungsrückgang, der besonders auf die Abwanderung in der Gruppe der 20-35 jährigen und den dadurch gesteigerten Auswirkungen des Geburtenrückgangs zurückzuführen ist. Derzeit hat Sachsen zwar einen positiven Wanderungssaldo, allerdings ist dies insbesondere auf den Zuzug von Studenten zurückzuführen, der sich vor allem auf die Städte Dresden und Leipzig konzentriert und den ländlicheren Regionen nicht zur Gute kommt.

Bis 2030 wird die Bevölkerung nur noch 76% des Niveaus von 1991 betragen. Im Jahr 2030 wird das Durchschnittsalter rund 51 Jahre betragen (2013: etwa 47 Jahre). Die erwerbstätige Bevölkerung geht dabei auf rund 60% des Niveaus von 1991 zurück.

Der demographische Wandel führt dazu, dass immer weniger und im Durchschnitt deutlich ältere Arbeitskräfte als heute zur Verfügung stehen und sich insbesondere das Angebot qualifizierter Fachkräfte verringern wird. Eine generell unbefriedigte Nachfrage nach Fachkräften ist derzeit zwar noch nicht zu verzeichnen, in bestimmten Regionen und Branchen ist jedoch bereits heute eine Anspannung des Arbeitsmarktes zu spüren. In Zukunft wird es jedoch in fast allen Regionen und Branchen einen wachsenden Bedarf an Fachkräften geben. Auch bezüglich der Nachfrage von Fachkräften wird es künftig Anpassungsbewegungen geben. Dazu liegen allerdings derzeit noch keinerlei Prognosen vor.

In diesem Papier wird davon ausgegangen, dass ein Arbeitnehmer dann eine Fachkraft ist, sobald dieser eine Ausbildung abgeschlossen und sich über den Schulabschluss hinaus qualifiziert hat.

Bis zum Jahr 2025 wird in Sachsen das Erwerbspersonenpotenzial um rund 500.000 Fachkräfte zurückgehen. Dies ist aber nicht nur ein sächsischer, sondern ein europäischer Trend. Kleine und mittlere Unternehmen, das Rückgrat der sächsischen Wirtschaft, sind von Mangel bei beruflich Qualifizierten besonders betroffen, weil die Mehrzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den gewerblich-technischen Engpassberufen in KMU tätig ist.

Dennoch hat Sachsen schon jetzt recht günstige Rahmenbedingungen, um dem drohenden Rückgang des Angebots an Fachkräften zu begegnen. Ein Alleinstellungsmerkmal Sachsens ist seine sehr gute Schul- und Universitätsausbildung sowie die hohe Dichte an Forschungsinstitutionen.

Sachsen belegt beim Bildungsmonitor 2011 mit Abstand zum sechsten Mal in Folge die Spitzenposition. Gemeinsam mit Thüringen weist Sachsen außerdem die besten Betreuungsquoten in ganz Deutschland auf. Darüber hinaus ist auch das Angebot für die Ganztagsbetreuung gut ausgebaut. Sachsen legt einen besonderen Schwerpunkt auf die MINT-Fächer (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik). In Sachsen nehmen MINT-Stunden in allen Schularten rund ein Drittel der Stundentafel ein. Mathematik, Physik, Biologie und Chemie sind bis zum Abitur verpflichtend vorgeschrieben. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen des PISA-Tests wieder. Sachsens Schüler belegten beim PISA-Test im innerdeutschen Vergleich (2006) sowohl beim Schwerpunkt Naturwissenschaft als auch in den Teilbereichen Mathematik und Lesekompetenz den ersten Platz. In allen drei Testbereichen liegen die Sachsen deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

Eine vielseitige Forschungslandschaft und eine hohe Zahl an Universitäten und Forschungseinrichtungen (siehe Kapitel 4) tragen durch die Ausbildung von hochqualifizierten Fachkräften ebenso zum wirtschaftlichen Erfolg Sachsens bei.

Unabhängig von der konjunkturellen Lage wird die Deckung des Fachkräftebedarfs eine der bedeutsamsten Aufgabe für Politik und Wirtschaft in Sachsen bleiben.

5.3 Ziele

Es werden folgende strategische und messbare Ziele für das Jahr 2030 formuliert:

  • Der Anteil der Geringqualifizierten ist um wenigstens 20 Prozent gesunken.
  • 50% aller Beschäftigten nehmen jährlich Weiterbildungsmaßnahmen wahr. (2012 deutschlandweit lediglich 99.912 Teilnehmer an Fortbildungs- bzw. Meisterprüfungen)[1]
  • Die Schulabgängerquote ohne Abschluss ist auf unter drei Prozent gesunken (2013: 10,1 %)und der Anteil der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife liegt bei 35 %.
  • Die Ausbilungsabbrecherquote wurde um fünfzig Prozent auf ein Sechstel gesunken. (momentan ein Drittel)
  • Die Studienabbrecherquote wurde um fünfzig Prozent gesenkt. (aktuell 35% aller Universitätsstudenten brechen ihr Studium ab)
  • 75% aller über 55-jährigen sind erwerbstätig. (aktuell 67,6%)
  • Jährlich wandern mindestens 2.000 zusätzliche Fachkräften sowie Studien- und Ausbildungsanfänger aus dem Ausland zu.
  • Die Erwerbstätigenquote von 20- bis 64-jährigen Frauen liegt bei über 80 Prozent. (aktuell 42,9%)
  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird von der erwerbstätigen Bevölkerung in Sachsen als überdurchschnittlich (im Vergleich zu anderen Bundesländern) wahrgenommen.

5.4 Wege und Aufgaben

Es ergeben sich untenstehende Aufgaben für die unterschiedlichen Akteursgruppen. Die Aktivitäten zur Sicherung des Nachwuchses sind – natürlich mit Ausnahme der klassischen Bildungs- und Hochschulpolitik - vorwiegend Aufgabe der Privatwirtschaft (insbesondere der Arbeitnehmer und Arbeitgeber). Der Staat kann sie dabei jedoch zu einem gewissen Maße unterstützen indem er die Rahmenbedingungen setzt. Dabei soll hier nicht auf die Akquirierung ausländischer Fachkräfte eingegangen werden, da dies in einem eigenständigen Kapitel  behandelt wird.

5.4.1 Staatliche Institutionen
  • Einrichtung eines Landesbeauftragten für Fachkräftesicherung bzw. eines Zentrums für Fachkräftesicherung für kleine und mittlere Unternehmen
  • Regelmäßige Qualifizierungs- und Fachkräftebedarfsprognosen zur Abbildung des branchen- und regionalspezifischen Personalbedarf und Unterstützung regionaler arbeitsmarkt- und bildungspolitischer Akteure
  • Imagekampagnen für zukunftsfähige Berufe und verbesserte Informationsangebote

 

  1. Schulpolitik
    • Erwerb von Wissen und (persönlichen) Kompetenzen bereits in Kindergärten und Kindertagesstätten sowie bessere Verzahnung von Kindergärten und Schulen, Erhöhung des Bildungsanteils in Kindergärten und –krippen, insbesondere auch frühzeitige Heranführung an technische Themen
    • Weiterentwicklung der Berufsschulen und überbetrieblichen Ausbildungszentren zu Aus-, Um und Weiterbildungszentren
    • Moderne Infrastruktur an den sächsischen Schulen sichern und ausbauen
    • Einführung einer systematischen Berufsorientierung an den Schulen und eine bessere Ausbildungsfähigkeit, um eine Über-Akademisierung zu vermeiden:
      • Die Fächer Berufsorientierung, Wirtschaft, praktische Fächer und Unternehmenspraktika müssen verpflichtend in den Lehrplan ab der 7. Klasse aufgenommen werden.
    • durch die Vermittlung von Idolbildern Schaffung von Respekt vor den Möglichkeiten, die Bildung schafft
    • Flexibel einsetzbare Lehrkräfte
    • Verbesserung der Lehrerausbildung und Attraktivität sowie Wertschätzung des Lehrerberufes steigern, um drohenden Lehrermangel an den sächsischen Schulen zu vermeiden und eine Überalterung des Lehrpersonals zu verhindern
    • Verpflichtende und wirtschaftsnahe Weiterbildung des Lehrpersonals
  2. Hochschulpolitik
    • Eintreten für ein dauerhaftes Zusammenwirken von Bund und Ländern
    • Knüpfung von Zuschüssen an erfolgreiche Studienabschlüsse und teilweise an die Ausrichtung auf erwartete Bedarfe der Wirtschaft
    • Flächendeckende Umsetzung der Anerkennung von Berufsabschlüssen für den Zugang zu Hochschulen
    • Stärkung der Eigenverantwortung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen und Förderung von Kooperationen
    • Personalaustausch zwischen Hochschulen und Wirtschaft fördern
    • Verpflichtende Teilnahme der Sächsischen Hochschulen an internationalen Rankings
    • Ausbau des akademischen Weiterbildungsangebote in Sachsen
      • Schnittstellen zwischen beruflicher Praxis und akademischer Weiterbildung müssen durchlässiger gestalten werden
      • Weiterbildungsangebote müssen bedarfsgerecht und flexibel auf die praktischen Erfordernisse beruflicher Tätigkeit ausgerichtet werden (z. B. durch teilzeit- und berufsbegleitende Studien oder durch Einrichtung dualer Studiengänge)
      • akademische Weiterbildungsangebote sollen die Erlangung eines akademischen Grades ermöglichen
    • Aufnahme der Maßnahmen zur Reduzierung der Studienabbrüche in die Zielvereinbarungen der Hochschulen mit der Staatsregierung nach eingehender Analyse der Gründe der Abbrüche und auch Schaffung eines „Auffangsystems“ für Studienabbrecher
    • Aufnahme folgender Zielvereinbarungen mit den Hochschulen: Rückgang der Abbrecherquote, Förderung von Frauen, behindertengerechtes Studium, Unterstützung bei der Gewinnung von Arbeitsplätzen für Partner, Willkommenskultur etc.
  3. Berufsakademie

    Das Angebot der Berufsakademie Sachsen ist für unsere mittelständisch geprägte Wirtschaft maßgeschneidert: Die Studierenden binden sich an einen Ausbildungsbetrieb, der praxis- und bedarfsgerecht auswählt und einstellt, die Berufsakademie liefert die für ein erfolgreiches Berufsleben unerlässliche Basis. Die Abbrecherquote ist auch im Vergleich zu den Fachhochschulen und Universitäten minimal, die Absolventen bleiben zum größten Teil dem Freistaat Sachsen erhalten und schaffen damit hier einen gesamtwirtschaftlichen Mehrwert.

    • Die dezentrale Struktur und regionale Ausrichtung der Berufsakademien ist auszubauen.
    • Ausbau der verfügbaren Ausbildungskapazitäten und Ausbildungsplätze: jedem Bewerber mit einem zertifizierten Praxispartner sollte künftig ein Studienplatz zur Verfügung stehen.
    • Der höchste an der Berufsakademie zu erlangende akademische Grad soll der Bachelorabschluss sein.
    • Besonders geeigneten Absolventen der Berufsakademie Sachsen soll die Möglichkeit zur akademischen Weiterqualifizierung im Rahmen von Master- oder Diplomstudiengängen an Hochschulen gegeben werden.
  4. Anpassung von Lebensarbeitszeitmodellen

    Eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung unter älteren Personen kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

    • Entwicklung von flexiblen Arbeitszeit- und Rentenmodellen für Arbeitnehmer, die über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus arbeiten wollen;
    • Strategien der alternsgerechten Arbeit, der Etablierung von Kulturen der beruflichen Fortbildung, neuere Modelle der Altersteilzeit
    • Information der Unternehmen über die verschiedenen Möglichkeiten der Produktivitätserhöhung ihrer älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  5. Vereinbarkeit von Familie und Beruf
    • Förderung einer familienfreundlichen Arbeitswelt und Unterstützung des beruflichen Wiedereinstieg
    • Unterstützung der Unternehmen bei Vermittlung von Best Practice Beispielen
    • Erhöhung des Ganztagesangebote bei Schulen und Vorschulen
5.4.2 Wirtschaft

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verfügen oft nicht über die Ressourcen und Planungssicherheit, um sich intensiv um die Rekrutierung der notwendigen Fachkräfte für mehrere Jahre im Voraus kümmern zu können. Dennoch müssen auch die Unternehmen Konzepte entwickeln, wie sie mit weniger Arbeitskräften auskommen können. Arbeitssparende technische Innovationen sind eine Möglichkeit hierfür. Außerdem müssen KMU auch verstehen, dass in der heutigen Zeit, das wichtigste Kapital die Mitarbeiter sind, sodass mehr in Personalentwicklung investiert wird. Die vorhandenen Humankapitalressourcen müssen stärker für das betriebliche Innovationsmanagement und die betriebliche FuE eingesetzt werden. Dafür ist eine entsprechende Entlohnung notwendig.

 

  1. Ausbildung und Weiterbildung
    • Stärkere Kooperation zwischen Unternehmen sowie Hochschulen und Schulen durch Informationsbörsen, Praktika etc. zur Gewinnung von Auszubildenden
    • Verstärktes individuelles Weiterbildungsangebot für Mitarbeiter
    • Unternehmen müssen erkennen, dass Weiterbildung in jeder Altersgruppe eine Investition in die Zukunft ist, die sich mittel- bis langfristig auch betriebswirtschaftlich rechnet
    • Einstiegsqualifizierung für Lernschwache oder Menschen mit Behinderung (Praktikum von einem Jahr vor Ausbildung im voraussichtlichen Lehrbetrieb, gefördert durch Arbeitsagentur)
    • „Lehre light“ für Lernschwache oder Menschen mit Behinderung (Bsp.: zweijährige Berufe mit Möglichkeit in den dreijährigen Aufzustocken; Hochbaufacharbeiter mit der Möglichkeit im dritten Jahr den Abschluss als Maurer und Betonbauer zu erlangen)
    • Langfristige Sicherung und Förderung der dualen Ausbildung als bewährtes Instrument zur Sicherung des Fachkräftebedarfes und als effektives Instrument zur Verhinderung der Jugendarbeitslosigkeit
    • Aktualisierung der Ausbildungsverordnungen an die Ansprüche der Wirtschaft
    • Absicherung der Fahrt- und Übernachtungskosten bei Zusammenfassung von Berufsschulstandorten
  2. Vereinbarkeit von Familie und Beruf
    • Ausbau von betrieblichen Kindergärten und Betreuungsangeboten
    • Größere Akzeptanz von Teilzeit und Elternzeit
    • Angebot von Pausenmodellen für Elternzeit und Pflegezeit
    • Verbesserung des Wiedereinstiegs durch betriebliche Begleitung während der Auszeit
  3. Anpassung von Lebenszeitmodellen
    • Umdenken in den Betrieben: Lösung von der Vorstellung, dass ältere Arbeitnehmer weniger leistungsfähig seien als jüngere.
    • Altersgerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen
      • technischen Ausstattung von Arbeitsplätzen
      • arbeitsorganisatorische Regelungen
      • vorausschauende Arbeitsgestaltung und Arbeitsorganisation
      • passgenaue Weiterbildung
      • betriebliche Gesundheitsförderung
    • Orientierung an Best-Practice Beispielen wie der „Demografie-Tarifvertrag“ in der chemischen Industrie, der die längere Erwerbsbeteiligung von Älteren durch geeignete Maßnahmen sicherstellt und gleichzeitig Chancen für ein flexibles Ausgleiten aus dem Erwerbsleben eröffnet.
5.4.3 Schulen
  • Beachtung geschlechtsspezifischer Lernunterschiede
  • Vorbereitung der Abgänger und Abgängerinnen auf das Berufsleben
  • Verpflichtende Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer, um neue fachliche und gesellschaftliche Entwicklungen im Unterricht zu berücksichtigen
  • Unterstützung Lernschwacher während der Schulzeit durch Maßnahmen zur Lernmotivation (Schülercamps)
  • Regelmäßige Supervision zur frühzeitigen Erkennung von psychischer Belastung der Lehrer und Burnout-Syndromen
  • Gezielte Kooperation der Schulen mit anderen Bildungseinrichtungen, Verwaltung, regionaler Wirtschaft, Vereinen und anderen Akteuren der Bürgergesellschaft
  • Vermittlung von berufsvorbereitenden Maßnahmen Kompetenzen und Qualifikationen, die die Berufs- und Ausbildungsreife der Jugendlichen erhöhen
5.4.4 Hochschulen

Den sächsischen Hochschulen kommt nicht nur eine wichtige Rolle in der Forschung zu, gleichzeitig sind sie auch als Aus- und Weiterbildungsstätte für hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte zu sehen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und den damit einhergehenden Gefahren zunehmender Fachkräfteknappheit wird diese Aufgabe in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Außerdem sind Hochschulen als Haltefaktoren zu betrachten, da sie nicht nur einen Anreiz für die Zuwanderung Studierwilliger aus anderen Ländern darstellen, sondern auch für Landeskinder, im Freistaat zu bleiben.

 

  • Einführung englischsprachiger Studienangebote sächsischer Hochschulen im Bachelor-, Master-und Weiterbildungsbereich ein, um vermehrt ausländische Studierende anzuwerben und die Internationalisierung der sächsischen Wirtschaft voranzutreiben
  • Verbesserung der Beratung bei der Studienwahl als auch bessere Betreuung während des Studiums selbst
    • Anpassung der didaktischen und personellen Rahmenbedingungen an den Hochschulen an die geänderten Studienanforderungen
    • systematische Evaluierung des Lehrpersonals an Hochschulen: Evaluierungen, die auch der Dekan oder das Rektorat bekommt, dürften ein deutlicher Ansporn sein.
  • bessere Berufsvorbereitung an den Hochschulen:
    • Ausbau der an den sächsischen Hochschulen eingerichteten Career Center zu Kompetenzzentren für Berufsvorbereitung und –vermittlung
    • Ausbau des Kontakt zwischen Studierenden und (regionaler) Wirtschaft
    • Unterstützung der sächsischen Unternehmen in Fragen der Weiterbildung von hochqualifiziertem Fachpersonal aus den Absolventen der Hochschule
    • Unterstützung von Studierenden, Absolventen, Promovierenden und Hochschulmitarbeitern beim Aufbau von Netzwerken für Praktika, bei der Vermittlung von Arbeitsmöglichkeiten im Freistaat Sachsen sowie gegebenenfalls auch bei der Anbahnung darüber hinausgehender Kontakte zu sächsischen Unternehmen
  • Ausbau der Alumni-Arbeit
  • Ausbau des Hochschulmarketings (z. B. die „Kinderuni“, Tage der offenen Tür oder Angebote zum Schnupperstudium)
  • Ausbau der Kinderbetreuung an den Hochschulen/ familienorientierte Infrastrukturen:
    • Sicherung der notwendigen Flexibilität für ein Studium mit Kind durch Angebot an Teilzeitstudien
    • Berücksichtigung der Zahl der Kinder von Studierenden bei der Festlegung ihrer Höchststudiendauer
  • Langfristig bedarf es also eines ganzen Bündels von Maßnahmen, um den massiven Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials zu dämpfen. Die Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen hat daher folgende Hochrechnung durchgeführt:
5.4.5 Maßnahmen bis 2025
Anteil der gering Qualifizierten reduzieren9.300-18.700
Schulabgänger ohne Abschluss reduzieren2.300-11.700
Ausbildungsabbrecher reduzieren2.000-10.100
Studienabbrecher reduzieren4.200 - 21.000
Erwerbstätigenquote
der über 55-Jährigen erhöhen
16.700- 43.600
Zuwanderung von Fachkräftenbis zu 16.800
Rückgewinnung“ der Pendlerbis zu 133.000
Erhöhung der Erwerbstätigenquote
der Frauen
93.000-97.000
 
Alle MaßnahmenMax: 351.900
 Min.: 127.500
Ersatzbedarf bis 2020Rund 215.000[2]

 

Ausgehend von den für 2009 vorliegenden Angaben zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung entsteht in Sachsen bis 2020 unter Berücksichtigung der Beschäftigten bis 55Jahre rechnerisch ein Ersatzbedarf von rund 215.000 Beschäftigten. Im schlimmsten Fall (bei Addition aller geringsten Werte außer Zuwanderung und Rückgewinnung der Pendler) können 127.500 weitere Fachkräfte bis 2025 zur Verfügung stehen. Dies würde jedoch noch den Mangel nicht ausreichen. Im Bestfall (bei Addition aller besten Werte) können bis 2025 weiter 351.900 Fachkräfte zur Verfügung stehen. Dies macht deutlich, dass die künftige Deckung unseres Fachkräftebedarfs zwar eine enorme Herausforderung darstellt, sie jedoch durch systematische Kombination vieler Instrumente durchaus zu bewältigen ist.Ausgehend von den für 2009 vorliegenden Angaben zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung entsteht in Sachsen bis 2020 unter Berücksichtigung der Beschäftigten bis 55Jahre rechnerisch ein Ersatzbedarf von rund 215.000 Beschäftigten. Im schlimmsten Fall (bei Addition aller geringsten Werte außer Zuwanderung und Rückgewinnung der Pendler) können 127.500 weitere Fachkräfte bis 2025 zur Verfügung stehen. Dies würde jedoch noch den Mangel nicht ausreichen. Im Bestfall (bei Addition aller besten Werte) können bis 2025 weiter 351.900 Fachkräfte zur Verfügung stehen. Dies macht deutlich, dass die künftige Deckung unseres Fachkräftebedarfs zwar eine enorme Herausforderung darstellt, sie jedoch durch systematische Kombination vieler Instrumente durchaus zu bewältigen ist.

[1] Statistisches Bundesamt, 2013, S.104.

[2] Vgl. Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Sachsen, 2011, S. 6ff.