Kapitel 3

Technologiepolitik und Innovationskultur

3.1 Zusammenfassung

Die Wirtschaftsstrategie Sachsen 2030 geht im Bereich Technologiepolitik davon aus:

  • Dass eine umfassende Innovationskultur geschaffen werden muss;
  • Dass der Staat grundsätzlich technologieoffen den Unternehmen proaktiv Hilfestellung bei der Entdeckung ihres Innovationspotentials geben muss, und dass er
  • durch eine langfristige Unterstützung von Unternehmensnetzwerken und Clustern zur Stärkung bestehender Stärken und zur Entwicklung neuer Spezialisierungen beitragen sollte.

3.2 Status-Quo der Technologiepolitik im Freistaat Sachsen

Den beachtlichen Stärken Sachsens im Bereich der Technologiepolitik stehen zugleich bedeutende Schwächen gegenüber, die systematisch anzugehen sind:

Die Achillesferse der Technologiepolitik in Sachsen ist also vor allem der geringe Anteil der Privatwirtschaft bzw. der privatwirtschaftlichen FuE-Ausgaben. Dies ist ein grundsätzliches Problem, da angenommen werden muss, dass die Privatwirtschaft zumindest bei anwendungsorientierter FuE die Mittel wesentlich effizienter in Richtung Marktreife einsetzt.

Die Technologie- und Innovationspolitik des Freistaates Sachsen profitiert aktuelle von der leistungsstarken Wirtschaft des Freistaates, dem hohen Bildungsniveau inklusive der dichten Hochschullandschaft sowie zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen bzw. Technologie und Gründerzentren. Im Jahre 2010 beliefen sich die Ausgaben für FuE am BIP auf 2,88%, was den fünften Platz im bundesdeutschen Vergleich bedeutete. Gleichzeitig muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass davon lediglich 43% im privaten Sektor getätigt wurden, was wiederum unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt liegt. Ein Großteil der Innovationen sind außerdem im Verarbeitenden Gewerbe erfolgt, welches eine vergleichsweise geringe Produktivität aufweist, bzw. bezogen sich auf eine inkrementelle Verbesserung oder eine Imitation eines auf dem Markt bereits platzierten Produktes. Die Kleinteiligkeit der sächsischen Wirtschaft im Zusammenspiel mit der vergleichsweise hohen regionalen Orientierung der sächsischen Unternehmen hemmen den Innovationsprozess zusätzlich. Einer der aussagekräftigsten Indikatoren hierfür ist der vergleichsweise niedrige Stand an Patentanmeldungen.

Die Achillesferse der Technologiepolitik in Sachsen ist also vor allem der geringe Anteil der Privatwirtschaft bzw. der privatwirtschaftlichen FuE-Ausgaben. Dies ist ein grundsätzliches Problem, da angenommen werden muss, dass die Privatwirtschaft zumindest bei anwendungsorientierter FuE die Mittel wesentlich effizienter in Richtung Marktreife einsetzt.

Technologie- und Innovationspolitik in Sachsen muss also u.a. darauf hinwirken, den Anteil der privaten Wirtschaft an den FuE-Ausgaben zu erhöhen. In dieser Form kann die staatliche Innovationsförderung dann auch ihre Rolle als komplementäre Finanzierung von Grundlagenforschung und Schließung der Finanzierungslücken zwischen angewandter Forschung und deren Umwandlung in marktreife Produkte, Verfahren und Dienstleistungen erfüllen.

3.3 Bedeutung der Technologiepolitik und Innovationskultur für die Wirtschaftspolitik

Sachsens Wohlstand und Beschäftigung im Jahr 2030 sind in großem Maße von der Innovationskraft abhängig, die von der Bevölkerung, den Institutionen und den hier ansässigen Unternehmen ausgeht. Innovative Unternehmen und Forschungseinrichtungen Technologie können Sachsen zukunftsfähig machen und im internationalen Wettbewerb stärken. Innovative Unternehmen bedürfen jedoch auch einer entsprechenden Innovationskultur sowohl innerhalb der Unternehmen, wie auch in ihrem Umfeld.[1]

Eine Innovationskultur kann nicht vorgeschrieben werden, sondern entsteht erst aus gelebten Konzeptionen.

Von Seiten des Staates bedeutet dies demnach, dass dieser systematisch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen stecken muss, und auch seinerseits sein Verwaltungshandeln kontinuierlich überprüft.

Die Innovationsfreudigkeit der sächsischen Bevölkerung kann schon von Kindesbeinen an gefördert werden. So können Neugier und Kreativität, aber auch die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit Forschung und Entwicklung in umstrittenen, jedoch bedeutsamen Bereichen (CCS, Gentechnik, Biotechnologie…) gefördert werden.

Ein breites Verständnis von Innovationskultur umfasst demnach das Bewusstsein für die wirtschaftliche und für die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Innovationen, die Notwendigkeit, dem Freistaat seine Position in regionalen, nationalen und globalen Märkten zu sichern, der Kampf um die klugen Köpfe, die Fachkräfte und die Investitionen, die begleitende Öffentlichkeitsarbeit, das sächsische Image, die Bedeutung von Netzwerken und Disziplinen übergreifende Zusammenarbeit.

Bei der Diskussion der Möglichkeiten der Erhöhung der Innovationskraft der sächsischen Wirtschaft sollte daher weniger im Vordergrund stehen, inwieweit hier die Höhe der sächsischen Fördermittel erhöht werden sollte, zumal angesichts beschränkter Haushaltsmittel ohnehin der Spielraum zu gering ist. Vielmehr zeigt der zu geringe Anteil an privaten FuE-Maßnahmen, dass zu wenige innovative Ideen entweder in den Unternehmen entstehen oder diesen seitens der Forschungseinrichtungen vermittelt werden und entsprechend die sächsischen Unternehmen zu selten hier die Möglichkeit der künftigen Gewinne durch Produktentwicklung erkennen.

Dies liegt tendenziell an folgenden Ursachen:

  1. Kleinteiligkeit der sächsischen Wirtschaft: Die Unternehmensführungen sind zu sehr mit tagesaktuellen Themen beschäftigt und können daher keine Ideen generieren, oder aber wenn sie generiert wurden, gibt es kein Möglichkeit, ihre Weiterentwicklung im Unternehmen zu organisieren. Es fehlen personelle Kapazitäten, welche sich den Themen Forschung und Entwicklung widmen, wie dies in den entsprechenden Abteilungen von Konzernunternehmen der Fall ist.
  2. Hemmschwelle und Kommunikationsproblem: Häufig können Unternehmen ihr Problem und ihre Wünsche gegenüber den Forschungseinrichtungen, und letztere ihr Angebot an Unternehmen nicht definieren. So wird eine zu hohe Hemmschwelle aufgebaut, sich an die Forschungseinrichtungen zu wenden.
  3. Unübersichtliche Anträge für Fördermittel halten Unternehmen, die selber keine Mittel für FuE zur Verfügung haben, davon ab, Anträge beim Land Sachsen, dem Bund oder der EU zu stellen.
  4. Starker Produkt-/Technologieorientierung der Innovationsförderung: Neben der reinen Entwicklung von konkreten Verfahren sollte vermehrt dazu beigetragen werden, dass innerhalb und zwischen den Branchen mehr Gelegenheit zur Ideenentwicklung entsteht.
  5. Verlängerte Werkbänke: Große Unternehmen haben selten ihren Firmensitz und damit auch nicht die Abteilung Forschung und Entwicklung in ihren Niederlassungen in Sachsen.
  6. Geringe „Absorptionsfähigkeit“ der Unternehmen: es gilt die Absorptionskapazität der Industrie sowie die Verbindlichkeit und die Professionalität des Technologietransfers aus öffentlicher Forschung fortzuentwickeln.

In einem Ingenieurland wie Sachsen wird naturgemäß den „weicheren“ Faktoren des Innovationsprozesses zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. in diesem Bereich können jedoch beachtliche Potenziale freigesetzt werden, um die Möglichkeiten der Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu nutzen und in in Sachsen angewandte Lösungen umzulenken.

Der Begriff „Innovationskultur“ muss Bestandteil des politischen Leitbildes für Sachsen werden und ist anhand von internationalen Best-Practice-Erfahrungen bereits kurzfristig auf Sachsen operationalisiert herunterzubrechen. Insbesondere bezieht er sich auf die Vermittlung von Innovationskultur in Schulen und Hochschulen, die Aktivitäten in Clustern etc. Um zu erreichen, dass auf diesem Gebiet in Sachsen kontinuierlich Fortschritte erzielt werden, sollte zeitnah ein Monitoringsystem eingerichtet werden.

3.4 Es werden folgende strategischen Ziele für das Jahr 2030 formuliert:

  • Die staatliche Förderung konzentriert sich auf die Schaffung von Rahmenbedingungen, die Förderung von Grundlagenforschung sowie der Unterstützung von Unternehmensnetzwerken. Staatliche Förderinstrumente sind schlank, auf Qualität bedacht und leicht verständlich. Letztlich kann nur durch Innovation die Basis für qualitatives und quantitatives Wachstum unserer Wirtschaft gelegt werden, so dass die entsprechende Förderung unbedingt beibehalten werden muss
  • Der Anteil der gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung am BIP, die sich sowohl aus privaten und öffentlichen Mitteln zusammensetzen, liegt in der Spitzengruppe der europäischen Regionen. Die sächsische Innovationskultur hat Sachsen im europäischen und bundesdeutschen Vergleich einen Spitzenplatz gesichert; dies kann durch Indikatoren (entsprechende Rankings; Zahl der Hidden Champions etc) kontinuierlich gemessen werden. (momentan Platz 5 im Bundesvergleich)[2]
  • Mit gezielten Anreizen hat der Freistaat eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gebaut. Ein gebündelter Technologietransfer trägt dazu bei, dass Ergebnisse der in Sachsen ansässigen Forschungsinstitute insbesondere auch in die sächsische Wirtschaft gelangen. Von Seiten der Unternehmen besteht die Nachfrage nach Forschung, d.h. die Schwellenangst der Unternehmen, sich an die Forschungseinrichtungen zu wenden, ist abgebaut. Auch Universitäten und Forschungseinrichtungen beziehen den Kooperations- und Verwertungsgedanke in den Prozess von Forschung und Entwicklung mit ein und suchen den Kontakt zu sächsischen Unternehmen.
  • Der Anteil der FuE-betreibenden Unternehmen ist auf 2.000 zu erhöhen (gegenwärtig 1.100)
  • Anteil der privatwirtschaftlichen Ausgaben für FuE am BIP auf FuE-Personal in sächsischen Unternehmen auf 20.000 Personen (jetzt 11.700) erhöhen
  • Zahl der Patentanmeldungen pro 100.000 Einwohner auf 75 Prozent des Bundesschnitts erhöhen (aktuell 35%)
  • Der Anteil der privatwirtschaftlich finanzierten FuE muss künftig in Sachsen den der öffentlich finanzierten deutlich übersteigen und sich auf 2 Prozent erhöhen (gegenwärtig 1,26 Prozent)

3.5 Wege und Aufgaben

Es ergeben sich folgende Aufgaben für die unterschiedlichen Aktuersgruppen:

3.5.1 Staatliche Institutionen

Ziel der Institutionen des Freistaates Sachsens muss es sein, Impulse und Anreize für Kreativität und Innovation zu geben, Innovationshemmnisse abzubauen und Freiheiten zu schaffen, die Innovationen und Investitionen in Forschung und Entwicklung beflügeln.

 

Primäre Aufgabe der staatlichen Institutionen ist es also, Rahmenbedingungen zu setzen:

  1. Anpassung der Ausbildung

    • Innovationskultur als Leitmotiv im gesamten Bildungssystem verankern
    • Sicherung und Ausbau der Fachkräftebasis
  2. Förderung von Grundlagenforschung

    • In der Grundlagenforschung stehen nicht konkrete marktreife Produkte im Fokus der Forschung, sondern vielmehr Technologiegrundlagen, die die spätere Basis für anwendungsorientierte Forschung liefern. Zur Steigerung der Innovationsquote müssen aber gerade diese Erkenntnisse der Grundlagenforschung durch einen effektiven Technologietransfer zeitnah in Produktinnovationen umgesetzt werden. Da hier von privater Seite wenig Investitionen zu erwarten sind, gilt es die Grundlagenforschung weiterhin finanziell zu unterstützen.
    • Die Lücke zwischen Grundlagenforschung und wirtschaftlicher Anwendung soll geschlossen werden, indem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hochschulen sowie aus öffentlichen Forschungseinrichtungen frühzeitig den Dialog mit der Wirtschaft finden und sich entsprechende Transferziele auch in den Zielvereinbarungen mit den Hochschulen finden.
    • Auch für die Grundlagenforschung sollte der Effizienzgedanken weiterentwickelt werden.
  3. Unterstützung von KMU bei anwendungsorientierten FuE-Vorhaben

    • Verlagerung des Schwerpunktes der staatlichen Förderung auf Unterstützung der Unternehmen in der Identifikation von Innovationspotentialen sowie von Potentialen des Zusammenschlusses mit anderen Unternehmen.
    • Vollständige Ausweitung des Innovationsbegriffs generell auf die Innovation bei handelbaren Gütern und Dienstleistungen
    • Vereinfachung der Fördermittelvergabe bei gleichzeitiger ausschließlicher Qualitätsorientierung, insb. durch rasche Beurteilung von Projektskizzen auf generelle Förderbarkeit und anschließende rasche Antragsbearbeitung
    • Erhöhung des Innovationsanreizes durch Durchführung von Wettbewerben um Fördermittel
    • Kontinuierliche Vermittlung von Best-Practice-Beispielen.
    • Fortführung von Personalförderprogramm zum Aufbau unternehmensstrategisch wichtiger Bereiche, wie z. B. des Innovationsmanagements.
    • Verminderung von Barrieren des Zugangs zu Ergebnissen der öffentlichen Forschung.
  4. Stärkung von Netzwerken und Clustern

    • Langfristige und verlässliche Stärkung technologieorientierter Netzwerke und Cluster zur Förderung des Technologietransfers und einer höheren Absorptionsfähigkeit sächsischer Unternehmen: Unternehmensnetzwerke und Cluster sollen langfristig insb. seitens der Fachministerien und staatlicher Fachinstitutionen unterstützt werden. Diese Unterstützung kann bei noch unterkritischen oder wissenschaftslastigen Netzwerken auch (begrenzt) finanziell erfolgen, jedoch muss das Netzwerkmanagement unternehmerisch (akquisitorisch) handeln können/müssen und in einer Form organisiert werden, dass eine Verminderung des öffentlichen Zuschusses von Vorteil ist.
    • "Technologie-Campus"- Ziel ist es, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mittel- bis langfristig mit der Wirtschaft zur Kooperation an einem Ort zusammenzuführen.
    • Entwicklung wirksamerer Anreizstrukturen mit klaren, messbaren Zielvorgaben für Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Ein Teil der öffentlichen Finanzierung staatlicher Forschungsinstitute sollte künftig daran gebunden werden, inwieweit diese Institute Innovationsprozesse in KMU Sachsens nachweislich und abrechenbar unterstützen.
    • Nutzung bestehender konsularischer Beziehungen (Honorarkonsulate) zur Vermarktung des Technologiestandortes Sachsen sowie der gezielten Entwicklung von internationalen Unternehmens- und Forschungskooperationen.
  5. Einrichtung einer netzwerkunabhängigen Innovationsplattform

    • Gründung einer Sächsischen Innovationsagentur bzw. Weiterentwicklung der Wirtschaftsförderung Sachsen, ggf. in Verknüpfung mit einem Risikokapitalfonds.
    • Die Aufgabe dieser Innovationsplattform besteht in der laufenden Verbreitung von Best-Practice und Initiierung von Netzwerken, wie auch der Stärkung der Bekanntheit des Technologie-Standortes Sachsen im In- und Ausland
  6. Steuerliche Förderung

    • Ausgehend vom Freistaat Sachsen wird eine Bundesratsinitiative zur Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung gestartet. Sie ist als zusätzliches Instrument neben der Projektförderung einzurichten und sollte (nach dem Vorbild anderer Länder) für kleine und mittlere Unternehmen im Vergleich zu Großunternehmen besonders begünstigende Konditionen annehmen. Mit der zusätzlichen FuE-Steuervergünstigung ist Marktnähe gewährleistet, und sie stärkt die Handlungsfähigkeit der Unternehmen, die am besten das Innovationspotenzial einschätzen können (siehe Technologieoffenheit).
  7. Innovationskultur in der Verwaltung

    • Klare Zuteilung der Technologiepolitik und Innovationsförderung in ein Ressort
    • Einsetzung eines Innovationsbeauftragten, der ressortübergreifend mit Kompetenzen ausgestattet ist und die verschiedenen Ressorts zusammenbringt.
    • Prüfung einer Auslagerung an eine externe Agentur.
    • Bestehende gesetzliche und außergesetzliche Regularien insb. bei der Gestaltung von Förderregularien müssen auf ihre Innovationsfreundlichkeit hin überprüft werden.
    • Kürzere Bearbeitungszeiten für FuE-Projektanträge bei der SAB: vier bis sechs Wochen; wobei Anträge ohne Erfolgsaussicht einen schnellen Ablehnungsbescheid erhalten sollten.
    • Abschaffung der „Genehmigungspflicht“ für den Beginn des FuE-Vorhabens von Seiten der Bewilligungsbehörde.
    • Vereinfachung der Abrechnungsverfahren
    • Für Antragsteller, die innerhalb eines kürzeren Zeitraums wiederholt Förderanträge stellen, sollte ein vereinfachtes Verfahren eingeführt werden.
3.5.2 Unternehmen

In Zukunft ist es wichtig, dass die Unternehmen ihre Innovations- und Wachstumsbasis erhöhen. Dies bedarf einer höheren Orientierung an internationalen Märkten, aber auch einer Verbesserung der FuE-(Personal)Intensität, um die Voraussetzungen für engere Kooperation mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu schaffen.

Von großer Bedeutung ist die Schaffung einer Innovationskultur innerhalb der Unternehmen. Diese kann aber nur aus dem Unternehmen selber heraus entstehen. Unternehmen müssen sich deshalb den Zugang zu externem Wissen verschaffen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis verstärken.

  • Förderung betrieblicher Weiterbildung und innerbetrieblicher Ausbildung.
  • Öffnung für Innovationsanregungen aus der Wissenschaft.
  • Prüfung von Innovations- und Wachstumspotentialen durch Netzwerke und Unternehmenszusammenschlüsse.

Eine weitere wichtige Aufgabe für die Unternehmen ist ihr Beitrag zur Förderung der Akzeptanz des Unternehmertums. Gelingen könnte dies durch verschiedene Maßnahmen:

  • Öffnung der Unternehmen in einer „Langen Nacht der Wirtschaft“.
  • Übernahme von Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft sowie nachhaltige Unternehmenskonzepte.
  • Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen (Praktika, Praxistage).
3.5.3 Unternehmensverbände und Kammern

Auch Kammern und Unternehmensverbände spielen eine wichtige Rolle im Bereich der sächsischen Technologiepolitik und Innovationskultur. Sie können vor allem dazu beitragen, dass die aufgrund der Kleinteiligkeit der Betriebsstruktur entstehenden Nachteile ausgeglichen werden. Selbstvereinigungen der Wirtschaft sind gefordert, sich intensivst in die Weiterentwicklung der sächsischen Innovationskultur und deren vertiefenden Verankerung in ihren Unternehmen einzubringen.

Sie sollen daher erreichen:

  • Intensivierung der Kooperation mit den allgemein- und berufsbildenden Schulen, Unternehmen und Universitäten im Bereich der Berufsorientierung.
  • Beratung der Betriebe bei der Identifikation von Innovationspotentialen sowie Vermittlung von Partnern und Netzwerkkontakten.
  • Ausbau des Fortbildungsangebote für Lehrer und Angestellte aus Unternehmen.
  • Vernetzung: Abbau der Angst vor Kooperation (Etablierung regionaler Kooperationsbörsen).
3.5.4 Universitäten und Forschungseinrichtungen

Neben der originären Ausbildungsleistung für den akademischen und wissenschaftlichen Nachwuchs und der Forschung sollten die sächsischen Hochschulen und Universitäten sowie die in Sachsen ansässigen Forschungseinrichtungen zunehmend zur technologischen Modernisierung Sachsens beitragen. Durch Kooperation mit Unternehmen können Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Technologietransfer und zur Generierung von wirtschaftlich nutzbaren Innovationen beitragen.

  • Unterstützung der Forscher bei der Gewinnung von Drittmittelprojekten mit der lokalen Wirtschaft durch verbesserte Vermittlung der Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen seitens der Forschung gegenüber der Wirtschaft.
  • Technologiegeber und Wissensvermittler: nicht nur unterstützende Tätigkeiten sondern aktive Vermittlung.
  • Engere Kooperation zwischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen, z.B. durch Industriepromotionen.
  • Knüpfung von Fördermitteln an Universitäten und Forschungseinrichtungen teilweise daran,, dass sie einen signifikanten Anteil ihrer FuE-Projekte mit sächsischen KMU durchzuführen.
  • Studierende, Hochschulabsolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter müssen deshalb für eine selbstständige Tätigkeit sensibilisiert/motiviert und auf ihrem Weg dorthin qualifiziert und betreut werden.
  • Stärkung der Alumniarbeit auch in Zusammenarbeit mit Begabtenförderungswerken.
3.5.5 Technologie- und Gründerzentren

Technologie- und Gründerzentren (TGZ) sollten eine Scharnierfunktion zwischen Wirtschaft und Wissenschaft übernehmen. Primäre Aufgabe der Technologiezentren ist es, den Technologietransfer zu verbessern und die technologieorientierte Wirtschaftsförderung anzuregen. Die dabei in der Arbeitsgemeinschaft der Technologiezentren Sachsen verfolgten Ansätze sollten dabei ausgewertet, intensiviert und verstetigt werden. Die öffentliche Beteiligung an Technologie- und Gründerzentren sollte an nachweisbaren Ergebnissen in folgenden Bereichen geknüpft sein:

  • Repräsentation des Standort Sachsens.
  • Vernetzung der Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Staat.
  • Vermittlung von Gründungskompetenzen, sowie Akquisition und Unterstützung von technologieorientierten Ausgründungen aus bestehenden Unternehmen, Fusion von technologieorientierten Unternehmensgründungen und Jungunternehmen mit geeigneten, zur Nachfolge anstehenden Unternehmen, um von Beginn an in enger räumlicher Nähe und Kooperation mit anderen Unternehmen schnelleres Wachstum und Marktzugang zu erreichen.
  • Konkrete Unterstützung bei der Identifikation von Innovationspotentialen. Dafür müssen die die Einrichtungen qualifiziertes Personal binden und finanzieren können. Dies sollte auch durch Fördermittel des Freistaates unterstützt werden, z. B. durch die Öffnung der Innovationsassistentenförderung für TGZ bei gleichzeitigem Monitoring der Erfolge der jeweils gewählten Ansätze.
    (siehe Exkurs Best Practice Beispiel Schweden)[3]

[1] Vahs, D./ Trautwein, H. (2000): Innovationskultur als Erfolgsfaktor des Innovationsmanagements, in: io Management, 69. Jg., Nr. 7/ 8, S. 20-26. (Manusskriptfassung).

[2] Statistisches Bundesamt, 2014.

[3] Exkurs – Best Practice Beispiel in Schweden: Eine ausgeprägte Innovationskultur bietet das Land Schweden. So stufte der von der Europäischen Union veröffentlichte Leistungsanzeiger Innovation Union Scoreboard 2013 Schweden als führendes Innovationsland innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten ein. Regelmäßig erreicht Schweden die besten Werte im Bereich der privaten Ausgaben für Forschung- und Entwicklung, Humankapital, Finanzierung und Unterstützung und Firmeninvestitionen. Diese herausragende Leistung basiert vor allem auf einer langfristig gelebten Innovationskultur. Bereits im Schulalter werden die Kinder in Schweden umfangreich auf die Themen Forschung, Wissenschaft und Unternehmensführung sensibilisiert und durch Wettbewerbe und Simulationen werden entsprechende Kenntnisse bereits in der Jugend in die Praxis umgesetzt. Dies geschieht zumeist in enger Kooperation mit Unternehmen, Stiftungen oder höheren Bildungseinrichtungen. In der Folge hat etwa ein Drittel der schwedischen Bevölkerung einen Hochschulabschluss und in Hinblick auf die Anzahl der ausgebildeten Ingenieure pro Kopf erreicht Schweden Platz zwei weltweit. Zahlreiche innovative Unternehmen im den Bereichen IT, Medizin und Technologie haben ihren Ursprung in Schweden. Diese Entwicklung wurde auch von der schwedischen Regierung erkannt und wird seither durch Einrichtungen wie das Schwedische Amt für wirtschaftliches und regionales Wachstum, das Schwedische Zentralamt für Innovationssysteme oder Schwedische Stiftung für strategische Forschung gefördert. Hinzu kommt, dass der Staat Schweden bereits frühzeitig umfangreiche Investitionen im Bereich der IT-Infrastruktur getätigt hat. Dadurch hat Schweden heute eines der eines der modernsten und meistgenutzten Kommunikationsinfrastruktursysteme weltweit. Hinzu kommt, dass in Unternehmen auf strenge Hierarchien und komplexe Organisationsstrukturen verzichtet wird. Teamwork, Zusammenarbeit und Respekt gegenüber dem Individuum sind tief in der schwedischen Kultur verwurzelt. Schwedische Unternehmen haben schon früh auf eine enge Kooperation mit schwedischen Universitäten und Hochschulen gesetzt.